TEDx Hamburg 2015: ‚EXPLORING NEW TERRITORIES’

Beiträge aus dem Videoclip von Marjo Kyllonens Vortrag: Redesigning education for the future

Ich möchte meinen ersten Bloc mit einem interessanten Artikel über den Bildungsreform in Finnland beginnen. Nicht nur weil ich dieses Land und ihre Kultur sehr liebe, aber auch weil ich die Finnen für ihren dreisten Mut und deren unbändigen Freigeist bewundere, mit denen sie ihr Bildungssystem immer wieder reformiert haben.

Bereits 1966 hat in Finnland eine bedeutende Schulreform stattgefunden, nämlich die Einheitsschule zu gründen. Die Vision bestand darin, alle Kinder, unabhängig ihrer Herkunft, Eignungen und Lernpotenzial, in einer Klasse zusammenzuschliessen. Das stiess erstmals bei vielen Lehrern auf grossen Widerstand, weil sie sich nicht vorstellen konnten, wie das funktionieren sollte. Wie soll den so eine Klasse angeleitet werden? Die Lösung war sehr einfach. Sie hatten nichts weiter zu tun, als ihre Lehrmethodik zu erweitern und sich über Lernförderungsprogramme weiter zu bilden, und so stand der Umsetzung nichts mehr im Wege.

Auch Eltern standen dieser Idee anfänglich sehr skeptisch gegenüber, erklärt Marjo Kyllonen, Chefin der Bildungsbehörde der finnischen Hauptstadt Helsinki. Denn sie befürchteten, dass die talentierteren Kinder von den weniger talentierteren in ihren Lernprozess behindert werden würden.

Marjo erinnert sich: „Damals etwas zu wissen, was der Lehrer noch nicht gelehrt hatte, grenzte geradezu an einem kriminellen Akt. Ich hatte bereits mit 5 Jahre lesen gelernt und als ich mit 7 Jahren in die Schule kam fand ich die Lese-Lektion sehr langweilig. So sass ich also da, bemüht meine Lesekunst vor dem Lehrer und den Mitschülern zu verstecken. Hätte uns damals jemand gefragt, ob wir diese neue Schulreform gut fanden, so hätten wir mit Bestimmtheit auch nein gesagt.“

Doch Befürworter der Vision hatten damals schon eins verstanden, dass der zukünftige Erfolg von Finnland vom Potenzial ALLER Kinder abhängig ist. Und so wurde Finnland als Vorbild eines erfolgreichen Bildungssystems, das Jahr für Jahr den ersten Platz auf der Pisa Studie Liste besetzt. Der Graben zwischen den unterschiedlichen Lerngruppen hat sich sehr minimiert. Der Erfolg hat ihnen Recht gegeben.

Doch trotz Erfolgskurs steht Finnland wieder vor einer Bildungsreform. Und Dr. Mario Kyllonen will uns den Grund dafür erklären.

Marjo: Ich bin eine Art Wahrsagerin, wenn es um unseres Bildungssystem geht. Denn mein Job ist es vorher sagen zu können, wie unsere Schule in 20 und 50 Jahre aussehen wird. Unsere Schulgebäude sehen von aussen sehr modern aus, aber intern kränkelt es bereits.

Leider funktioniert unser heutiges Schulsystem genau so wie vor 100 Jahren, als es noch darum ging, Menschen für die Industriegesellschaft, Massenproduktion und einzelne Spezialisierungen, heran zu erziehen.

Würden Sie zu einem Arzt gehen, der die Mittel und Technik des 1800 oder 1900 Jahrhunderts benutzt? Sicher nicht. Aber wir lassen zu, dass unsere Kinder eine Schule besuchen, die für das letzte Jahrhundert geschaffen wurde.

Unsere Kinder oder Enkelkinder wachsen mit Handy und Tablets auf und sind im Gebrauch dieser Medien sehr gewandt. Sie lernen damit spielerisch viele Dinge und haben Übung im Austauschen von Informationen, sei es Foto oder Musikdateien. Informationen sind für jeden überall und jederzeit zugänglich. Doch in einer Schulklasse benehmen wir uns noch so, als würde der Lehrer der heilige Gral der Weisheit sein oder der Pförtner des Wissens.

Das Klassenzimmer hat sich seit dem 1800 Jahrhundert nicht viel verändert, genauso wie die Schulkultur mit ihren strengen Regeln. „Sei gehorsam! Guck nicht ab! Störe die Klasse nicht! Sprich nicht mit deinem Kameraden! Respektiere den Lehrer!“ Ich befürchte, dass das etwas ganz grundlegendes über uns aussagt; Nämlich dass wir nur unser traditionelles Unterrichtsprogramm wiederholen, aber nicht wirklich unsere Kinder für ihre Zukunft vorbereiten.

1800 1933 2015

Wir leben in einer digitalisierten Welt. Roboter haben schon lange Überhand über ganz viele Arbeitsbereiche genommen und diese Entwicklung ist zunehmenden. Niemand kann wirklich vorhersagen, welche Jobs es in 50 Jahren noch geben wird.

Wie also sollte die Schule der Zukunft den aussehen?

"Phänomen-Unterricht"
Statt einzelne Schulfächer pauken, sollen die Schüler Ereignisse und Themen interdisziplinär bearbeiten. Zum Beispiel kann eine Schulklasse ins Museum gehen und anhand der Bilder sowohl Kunst, als auch Geschichte, Mathematik, Geographie erlernen.

Der Fokus muss auf das Lernen gesetzt und im wirklichen Leben verankert sein. Individuelles Lernen, kombiniert mit Gruppenarbeit Digital sein - Lernen geschieht überall.

 

(Marjo Kyllönen, Chefin der Bildungsbehörde der finnischen Hauptstadt Helsinki)

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